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Sechs Ideen für die Bildschirmzeit in der Familie

Die Gehirnentwicklung von Kindern und Jugendlichen ist etwas, über das wir noch viel lernen. Aber wir wissen: Erlebnisse hinterlassen Spuren. Das, was wir als "Input" bezeichnen - die Erfahrungen, die Kinder und Jugendliche machen – schafft Veränderungen und neue neuronale Bahnen. Zu diesem Input gehören auch virtuelle und Online-Erfahrungen. COVID-19 hat die Art und Weise, wie wir arbeiten, lernen und miteinander im Kontakt sind, stark verändert und vieles in den digitalen Raum verlagert. Welche Auswirkungen hat all diese Bildschirmzeit auf das sich entwickelnde Gehirn?

Empfehlungen zur Nutzung von Bildschirmgeräten wie Fernsehern, Smartphones oder Tablets gibt es zum Beispiel von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Sie besagen, dass Kinder im Alter von weniger als 3 Jahren möglichst gar keine Bildschirmmedien nutzen sollten. Für Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren liegt die maximal empfohlene Bildschirmzeit pro Tag bei 30 Minuten täglich, für Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren bei maximal 45 bis 60 Minuten täglich. International werden teilweise etwas längere Zeitspannen als in Ordnung angesehen (z.B. WHO-Empfehlung: bis zu 60 Minuten täglich für 3- bis 4-Jährige, allerdings mit dem Zusatz “less is better”). Wichtig ist, dass Eltern Anteil an der Bildschirmnutzung ihrer Kinder nehmen, insbesondere bei jüngeren Kindern. Das kann bedeuten etwas gemeinsam anzuschauen und anschließend darüber zu sprechen. Je älter die Kinder werden, umso selbstständiger werden sie Bildschirmgeräte nutzen. Eltern können und sollen dennoch Anteil nehmen und auf Sicherheit und Begrenzung achten.

Natürlich ist Bildschirmzeit nicht gleich Bildschirmzeit: Sich mit einem Lernspiel zu beschäftigen, ist nicht dasselbe wie einen Gewaltfilm anzusehen. Gemeinsam mit Ihrem Kind ein Anleitungsvideo zu einem neuen Hobby auf YouTube anzuschauen, ist etwas anderes, als parallel zu einem Gespräch auf dem Handy ein Spiel zu spielen.

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Wir wissen jedoch, dass zu viel Bildschirmzeit auch negative Auswirkungen hat. Einige sind gut bekannt, wie Schlafstörungen und Bewegungsmangel. Aber es gibt auch weniger offensichtliche Folgen wie eine mögliche Abnahme der Fähigkeit zum kritischen Denken. Es ist erwähnenswert, dass diese Probleme für Erwachsene genauso schwerwiegend sein können wie für Kinder und Jugendliche.

Zum Glück gibt es einige einfache Dinge, mit denen Sie heute anfangen können, um ein gewisses Gleichgewicht wiederherzustellen. Seien Sie sich bewusst, dass Sie nicht nur Ihren Kindern Grenzen setzen, sondern auch Ihren eigenen Medienkonsum kontrollieren sollten. Seien Sie nicht zu hart zu sich selbst und geben Sie nicht auf, wenn nicht gleich alles perfekt klappt. Es geht darum, langfristige Ziele im Auge zu behalten.

  1. Bildschirmfreie Zeit vor dem Schlafengehen
    Besprechen Sie, wie wichtig einige Stunden bildschirmfreie Zeit vor dem Schlafen sind. Wie wäre es mit einer Regel, dass in Zimmern, in denen geschlafen wird, keine Bildschirmgeräte aufbewahrt werden, insbesondere nicht nachts? Das ist schwierig, wenn Sie ein Kind haben, das seinen Computer für Hausaufgaben braucht, aber zumindest können Sie Smartphones und Tablets aus den Schlafbereichen fernhalten. Anstatt die Kinder sich selbst zu überlassen, sollten Sie ab und zu vorbeischauen, um sicherzustellen, dass sie nicht von Schulbüchern zu TikTok gewechselt haben. Wenn die Kinder sagen, dass sie ohne Musik nicht schlafen oder lernen können, könnten Sie es mit einem Radio oder CD-Player versuchen (falls Sie so etwas haben)!

  2. Regeln und Grenzen für die Bildschirmnutzung und bildschirmfreie Zonen
    Klare Vereinbarungen bezüglich der Dauer und Art der Bildschirmnutzung und Zeiten, zu denen keine Bildschirmgeräte genutzt werden, sind sehr hilfreich. Am besten ist es, wenn Sie solche Regeln aufstellen, wenn die Kinder noch klein sind. Sind Ihre Kinder schon älter, vereinbaren Sie gemeinsam eine Zeit, zu der alle die Geräte ausschalten und beiseitelegen. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn Bildschirmnutzung ihr Zusammensein und Ihre Gespräche stören würde, z.B. während der Mahlzeiten oder bei kurzen Autofahrten. Schaffen Sie Gelegenheite für Gespräche, Austausch und Nähe, anstatt dass jeder in seiner eigenen elektronischen Welt versunken ist.

  3. Medienzeit im Gegenzug für weniger attraktive Aktivitäten
    Sie können mit Ihren Kindern besprechen, dass Sie Medienzeit bekommen, wenn Sie bestimmte Aufgaben im Haushalt oder andere unbeliebte Dinge erledigen. Gehen Sie jedoch sparsam mit einem solchen Ansatz um. Auch das Wegnehmen von Medienzeit als Konsequenz ist nur dann empfehlenswert, wenn das Problem, für das Sie eine Konsequenz folgen lassen möchten, direkt mit der Mediennutzung zusammen hängt. Der Schwerpunkt sollte immer auf den Beziehungen und der Unterstützung und Begleitung Ihres Kindes oder Jugendlichen liegen, nicht darauf, die Bildschirmzeit für Verhandlungen zu nutzen.

  4. Urteilsvermögen und kritisches Hinterfragen
    Mit den Kindern im Austausch zu bleiben über das, was sie online tun und sehen, ist sehr wichtig. Wenn Sie offen und interessiert sind, können Sie Ihren Kindern auch helfen, einzuschätzen, welche Inhalte ihnen guttun und welche nicht. Helfen Sie Ihnen, illegale, pornografische, unseriöse oder manipulative Websites und Inhalte zu erkennen und diese zu meiden und ggf. zu melden. Wichtig ist auch, die eigene Mediennutzung zu hinterfragen. Geben Sie ein gutes Vorbild ab? Wenn Sie Raubkopien von Musik und Filmen herunterladen oder sich in den sozialen Medien im Ton vergreifen, werden Sie es schwer haben, Ihre Kinder zu überzeugen, sich an Regeln zu halten.

  5. Bewegung, Bewegung, Bewegung
    Es muss nicht gleich ein Abo vom Fitnessstudio oder ein Marathon sein. Schon ein abendlicher Spaziergang ist ein guter Anfang. Waren Sie in letzter Zeit einmal im örtlichen Park? Das ist nicht nur etwas für kleine Kinder. Können Ihre Kinder mit dem Fahrrad oder Roller zur Kita oder Schule oder zum Bäcker fahren, je nach Alter mit Ihrer Begleitung? Und wie wäre es, etwas Neues auszuprobieren, wie zum Beispiel Klettern, Segeln oder Drachen steigen lassen? Echte Erfahrungen im Hier und Jetzt übertreffen oft das, was ein Bildschirm bieten kann.

  6. Positiv und im Austausch bleiben
    Während einige Eltern mit ihrem eigenen übermäßigen Bildschirmkonsum zu kämpfen haben, haben andere das gegenteilige Problem. Wenn Sie Berührungsängste oder Abneigungen gegenüber technischen Geräten haben, wird es Ihnen schwer fallen, ein respektvolles Gespräch zu diesen Themen zu führen. Sie könnten Ihre Kinder bitten, Ihnen zu zeigen, was es Neues gibt, wie man Apps herunterlädt, Updates erhält und andere Cyber-Goods nutzt.

Wir hoffen, diese Tipps sind hilfreich für Sie! Vielleicht ist einiges leichter umzusetzen als anderes. Wenn es in Ihrer Familie häufig Streit rund um Bildschirmgeräte gibt, ist es vielleicht an der Zeit, sich zusätzliche positive Unterstützung zu suchen.